Der Hund zieht an der Leine

Immer zuerst die Ursachen erkennen und beseitigen!

Dem Hund das Ziehen an der Leine abzugewöhnen, ist eines der schwierigsten Übungen in der Hundeerziehung. Bevor man mit einem Training beginnen kann, muss vorweg eine Analyse durchgeführt werden, die dann erklärt, warum dieses Verhalten vom Hund gezeigt wird. Die Ursachen für diese Problematik kann sehr verschieden sein. Zu nennen wären Krankheit, Schmerz, Hospitalismus, Isolation, mangelnde Auslastung, Überforderung, Suchtverhalten, Hyperaktivität oder keine Bindung zum Halter. So ist ein Hund, der z.B. krankheitsbedingt immer auf den Suche nach Nahrung ist, ein penetranter Dauerzieher – immer auf der Suche nach etwas Fressbaren. Ein Hund, der ausgelöst durch mikrobiologische Faktoren (Bsp. Parasiten) innere Unruhe verspürt und sich wie auf der Flucht nach vorn bewegt, ist ebenfalls ein Dauerzieher. Genauso wie der Hund, der durch Isolation endlich die Möglichkeit erfährt, lang ersehnten neuen Input aufnehmen zu können.

Angst ist ebenfalls ein hoher Indikator für das Ziehen an der Leine. Das Ziehen ist hier gleichbedeutend für Flucht, also schnell den Ort wechseln zu wollen. Angstauslöser können akustischer, olfaktorischer, visueller oder taktiler Natur sein. Dazu gehören bspw. Autoverkehr, Baustellen, spielende Kinder, sich von fremden Menschen anfassen lassen müssen, Angst vor dem eigenen Halter, Angst vor Artgenossen oder alltägliche Umweltsituationen wie Mülltonnen, Rasenmäher, Geräusche einer Bohrmaschine u. s. w.. Die Angstauslöser, die sog. Stressoren, müssen erkannt und desensibilisiert werden. Ergänzend muss die Beziehungsebene zwischen Halter und Hund verbessert werden, so dass der Halter seinem Hund Sicherheit vermitteln kann. Das Ziehen an der Leine ist meist „nur“ ein Symptom von Vielen, deren Ursache bzw. Ursachen behoben werden müssen.

Allerdings ist die häufigste Ursache für das Ziehen an der Leine zu wenig Bewegung und mangelnde mentale Auslastung.

APORT Hundeschule 082Der Lernvorgang

Mit jedem Vorankommen des ziehenden Hundes erlernt der Hund, dass sich das Ziehen in Richtung Ziel lohnt. Verhalten wird hier unmittelbar positiv bestätigt und somit etabliert sich dieses Verhalten extrem schnell. Besonders bei Welpen kann ein Betrachter sehr häufig folgenden Ablauf beobachten: Ein Welpe zieht in eine Richtung, um bspw. einen entfernt stehenden Baumstamm zu schnuppern. Vielleicht aus Sorge, der Welpe könnte sich strangulieren oder um dem Welpen seinen Wunsch zu erfüllen, folgen die Welpen-Eltern dem Hundebaby so, dass die Leine möglichst nie gespannt ist. Der Welpe gibt hier die Laufrichtung vor und seine Besitzer folgen ihm willen- und kommentarlos. Bei schweren Hunden, die im Kräfteverhältnis ihren Haltern überlegen sind, nutzt der Hund seine körperliche Überlegenheit, so dass er jede Richtung vorgeben kann, die er möchte. In beiden Beispielen ist für den Hund das Lernen am Erfolg in höchstem Maße erfolgreich. Ein Hund, der an der Leine zieht, tut dies deshalb, weil sein Halter die Situation erlaubt hast.

Das Ergebnis kann dann folgendermaßen aussehen:

  • Ein Hund hat keine feste Lauf-Seite, also er läuft mal rechts, mal links, mal vorn, mal hinten
  • Der Hund zieht nach vorn und der Halter läuft hinterher
  • Der Hund bleibt zurück um zu schnüffeln und der Halter kommt nicht voran

Zu bedenken ist auch, dass das Problem des Leine-Ziehen bereits bei dem Anleinen im Haus seine Anfänge hat. Im Haus soll ein Hund geduldig abwarten (nicht mit Spannung erwarten) bis sich die Tür öffnet und warten, bis ihm gesagt wird, wann es losgehen kann.

Grundregeln, die Bedingung sind!
  • Ein Hund läuft an eine ihm zugewiesene Seite, entweder immer rechts oder immer links; möchte ein Hund die Seite wechseln, dann nur, wenn es ihm (mit einem zuvor erlernten Signal) erlaubt wird
  • Keinen Hunde-Kontakt (evtl. auch Menschen-Kontakt) an der Leine
  • Überholt ein Hund seinen Halter, ändert dieser unverzüglich die Richtung
  • den Hund nicht dauerhaft anschauen
  • beachtet der Hund seinen Halter bzw. er schaut ihn an, wird dieser unverzüglich belohnt, gern auch mittels einem Spiel
Hat ein Hund eine akzeptable Leinenfolge, kann dem Hund ein Signal, i.d.R. „Fuß“, immer vor einem Richtungswechsel gegeben werden, so dass er dieses akustische Signal mit einer Richtungsänderung verbindet und seine Aufmerksamkeit auf den Halter richten muss. Ein genaues Timing (ein Bruchteil einer Sekunde) zwischen dem Signal „Fuß“, Richtungsänderung, Reaktion (Blickkontakt vom Hund ausgehend) und Verstärkung (Belohnung) ist nötig, um zum Erfolg zu gelangen. Zum Erfolg gehören aber auch eine positive Einstellung zum Übungsablauf, Gelassenheit, Kreativität (z.B. im Handling mit der Leine), Standhaftigkeit (Konsequenz) und ein gutes Konfliktmanagement.
 

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Berechnungsformel zum Kräfteverhältnis Hund

Um die Kraft deines Hundes am Ende der Leine zu berechnen, habe ich für dich die entsprechende Formel herausgesucht. Zur Berechnung der Kraft, habe ich 3 Geschwindigkeiten gewählt

  • 7 km/h – Schrittschwindigkeit (Dauerzug)
  • 10 km/h – Trabgeschwindigkeit
  • 20 km/h – in die Leine rennen

1. Die Geschwindigkeit km/h muss in einen Faktor umgerechnet werden

Faktor = Meter : Sekunde

Bsp. für 10 km/h: 10 000 m : 3600 s = Faktor ~2,8

Bsp. für 20 km/h: 20 000 m : 3600 s = Faktor   5,5

2. Den Faktor dann mit dem Körpergewicht multiplizieren

Bsp. Für einen 20 Kg Hund bei 10 km/h

20 kg x 2,8 = 56 kg

Ein 20 kg Hund, der mit 10 km/h (ca. Trabgeschwindigkeit) ins Ende der Leine läuft, bewirkt eine Zugkraft von 56 kg. Im Galopp (20km/h) muss ein Mensch dann 110 kg stoppen können. Im Dauerzug erreicht der 20 kg Hund immerhin 39 kg. Ein Labrador, der ca. 35 kg schwer ist, kommt somit im Dauerzug auf eine Zugkraft von 68 kg. Im Galopp auf eine Zugkraft von 192,5 kg, die dann auch für Mensch und Hund gefährlich werden kann.

Hund niedlich Gern zeige ich dir in meinem Workshop „Locker an der Leine“, wie du deinem Hund erlernst, sich an dir zu orientieren.