Rangordnung und Dominanz

Wer bin ich(?) und das Regelwerk, welches oft unterschätzt wird

Wer bin ich für meinen Hund und wie beeinflusst mein Hund meinen Alltag? Diese Fragen sind immer dann zu stellen, wenn es um unerwünschtes Verhalten eines Hundes geht.

Naturgemäß lebt der Hund in einer Gruppe, die aus mehreren verschiedenen Gruppenmitgliedern, mit unterschiedlichen Ansprüchen, Interessen und Absichten, besteht. In der Natur bildet diese Gruppe ein Hunderudel, die sich aus Familienmitgliedern und/oder aus nicht familiären Mitgliedern zusammen setzt. Bei unseren Hunden bildet diese Gruppe, in der Regel, die menschliche Familie, die aus den Eltern, derer Kinder und anderen Familienmitgliedern besteht. Damit das Miteinander reibungslos ablaufen kann bedarf es Regeln und Strukturen, die von den Eltern, dem Hundehalter, bestimmt werden müssen. Häufig wird die Notwenigkeit dieser Strukturen und Regeln unterschätzt oder sogar vermenschlicht gestaltet. Die Folge ist, dass dem Hund, kein, seiner Art verständlich und entsprechend erkennbarer Rahmen zur Verfügung steht, die ihm Sicherheit und einen festgelegten Platz innerhalb in der Familie vermitteln, was zu Verhaltensauffälligkeiten und zu dem sog. schwierigen Hund führt. Zu diesem Rahmen gehört vordergründig eine hierarische Struktur, in der der Hundehalter die höchste Position einnimmt. Durch Missverständnisse und Fehlinterpretationen entstehen während der Erziehung und des Zusammenlebens immer wieder Konflikte und Stress-Situationen, die sich auch auf die Gesundheit von Mensch und Hund negativ auswirken.

Rangordnung und Dominanz ist in ihrer Begrifflichkeit als identisch zu betrachten und beinhaltet in der Definition nach Frau Dr. Feddersen-Petersen sinngemäß, dass ein Individuum A über das Tun und Handeln eines anderen Individuum B bestimmt. Das Individuum B ordnet sich Individuum A unter und bestimmt somit, durch seine Akzeptanz zu Individuum A, die Rangordnung. Dominantes Verhalten ist von Selbstsicherheit und mentaler Stärke gekennzeichnet und wird zum Einen genetisch vererbt und zum Anderen durch die Umwelt beeinflusst.

Dominanzbeziehungen sind stets variabel, d.h. niemals ein Hundeleben lang durchweg konstant. Sowohl in Zweierbeziehungen, wo immer wieder kehrend die Beziehung zueinander getestet wird als auch in bestimmten Situationen, in denen nicht immer der Chef den Ressourcenbesitz zu sein Gunsten entscheidet. In bestehenden Gruppen sorgt der dominante Hund für das Einhalten der Regeln, er mischt sich in Konflikte ein, er sorgt für Ruhe und Ordnung und jedes Gruppenmitglied orientiert sich an ihm. Der souveräne Hund ist wenig aggressiv, meist reicht ein ernster Blick oder ein kurzes Knurren, um die Ordnung und den Frieden wieder herzustellen.

Der Kernpunkt
Der Kernpunkt ist, eine stabile Rangordnung bildet die Grundlage in der Erziehung eines Hundes, wobei hier die Betonung auf stabil liegt, welche nichts mit einem autoritärem Erziehungsstil zu tun hat.

Bei einer unklaren Position des Halters, besonders dann, wenn diese bereits zu Problemen geführt haben, können einige nachfolgend genannte Übungen das Verhalten gravierend verschlechtern, wenn diese nicht fachgerecht angewendet werden. Lassen sie sich deshalb dringend vor einer Veränderung in der Dominanz-Beziehung beraten und beginnen eine Beziehungs-Veränderung niemals ohne fachkundige Leitung, um Alternativ- oder Protestverhalten, wie z.B. Aggression oder das Markieren in der Wohnung, zu vermeiden.

Einschränkung von Freiheiten - Ressourcenbesitz

Aus der täglichen Praxis, mit der Bedeutung der Einschränkung von Freiheiten, gehören Übungen wie „Fuß“ gehen, „Sitz“ und „Platz“, ein Abbruchsignal wie „Nein“ oder „Stopp“, den Hund auf seinen Liegeplatz schicken, der Hund macht den Weg frei, Kontaktunterbindung zu Anderen oder den Hund das Futter entfernen, dazu, um den Halter zum Einen in eine führende Position zu stellen und zum Anderen die ihm Ressourcenbesitz sichern.

Gestik, Mimik und Körperhaltung

Im täglichen Umgang ist Gestik, Mimik und Körperhaltung entscheidend ob sich ein Halter als souveräner und konstanter Chef behaupten kann. Dazu gehört, den Hund öfter zu ignorieren, keine Ängste haben, ein selbstsicher Umgang mit dem Hund, Trittfestigkeit und Standhaftigkeit, Konsequenz und den Hund bei Fehlverhalten angemessen auch maßregeln zu können. Vorgaukeln kannst du deinem Hund nichts, du musst authentisch sein und das Vertrauen erarbeiten.

Besonders im Spiel kann ein Halter seine Souveränität und Gelassenheit präsentieren. Dominanz und Bindung gehören eng zusammen und bilden in der Hundeerziehung eine Einheit. Weiter mit dem Thema Bindung

spielerisches Jagen und Verfolgen
Spielerisches Jagen und Verfolgen
Rangelei um die Beute. Die Beute wird nicht mehr hergegeben und es werden Besitzansprüche erhoben.
Ein Altrüde schlichtet und sorgt damit für Ruhe in der Hundegruppe.
drawing-pin-147814_640b Grundregeln im Spiel:

  • Der Halter beginnt (überwiegend) das Spiel
  • Der Halter beendet (überwiegend) das Spiel
  • Den Wettstreit nach der Beute gewinnt (überwiegend) der Halter
  • Dabei ist ein faires Spiel immer oberstes Gebot
  • Souverän heißt, dass der Hund auch gelegentlich gewinnen darf
  • Ein Spiel ist ausgelassen, zweckfrei und darf nicht für Machtkämpfe missbraucht werden
  • Spiel ist Wechselseitig
  • Das Spielende immer positiv beenden, nie ein Spielabbruch initiieren, es sei denn es dient der Maßregelung.