Entwicklungsphasen und Sozialisation des Hundes

Ontogenese (griechisch) = die Entwicklung eines einzelnen Lebewesens von der befruchteten Eizelle bis zum Tod

 

Die Entwicklungsphasen und Sozialisation des Hundes wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Da ist zum Einen die genetische Veranlagung, die sich entscheidend auf spezifische Verhaltensweisen, Temperament und Gesundheit auswirkt. Zum Anderen sind gewonnene Erfahrungen während des Wachstums von entscheidender Bedeutung.

Genetische Faktoren können nur soweit beeinflusst werden, dass sich der Hundehalter vor dem Kauf eines Hundes umfangreiche Informationen beim Züchter, über Elterntiere und deren genetische Komponenten sowie spezifische  verhaltensmäßige Merkmale der Hunde (Rasse) wie z.B. ursprüngliches Zuchtziel, einholt. Bei auf Erfahrung beruhendem Verhalten kann der Hundehalter weit mehr Einfluss nehmen. Eine kompetente Aufzucht ist die Grundlage für ein gutes Gedeihen. In der Hundeerziehung ist oft von schlechter Sozialisation die Rede.

Sozialverhalten

Was das genau bedeutet und wie Sozialverhalten beeinflusst wird, möchte ich im folgenden Kapitel erläutern. Während des Wachstums durchläuft ein Welpe verschiedene Etappen, die ihn nachhaltig für Lernvorgänge und das ganze Leben prägen. Dieser Prozess ist im wesentlichen von Wechselbeziehungen zwischen Wachstum und Umwelt gekennzeichnet und wird Verhaltensontogenese (Entwicklung des Verhaltens) genannt.

In der frühen Jugend eines Individuums verbinden sich während der Entwicklung des Nervensystems die Neuronen (Nervenzellen) und Synapsen (Verbindungen zwischen Nervenzelle und Nervenbahn), ausgelöst durch Impulse, zu einem großen Netz. Dieses Netz erweitert sich mit jedem gegebenen und empfangenen Impuls. Da die Verbindungen zwischen den Nervenzellen immer nur in eine Richtung verläuft, müssen für den wechselseitigen Transfer mindestens zwei Nervenbahnen vorhanden sein. Je mehr Impulse empfangen werden, desto mehr Verbindungen können entstehen. Es entsteht das Nervensystem, so ähnlich wie eine riesige Datenbank. Somit können Erfahrungen bzw. Erlerntes auch im späteren Leben wieder abgerufen werden.

Traumata in der frühen Jugend des Hundes schädigt irreparabel

Traumatische Erlebnisse greifen in diesen Lernvorgang ein. Sie verhindern eine gesunde Entwicklung und schädigen das Gehirn. Lernvorgänge, und somit die Fähigkeit zur Stressbewältigung, werden gestört. In den Entwicklungsphasen ist es deshalb für eine gesunde Entwicklung eines Hundes zwingend erforderlich, sehr sensibel, aber auch nachhaltig, immer wiederkehrend, den Hund mit neuen und spannenden Reizen zu konfrontieren. Durch die abrufbaren Erfahrungen wird soziale Kompetenz und vor allem auch Konfliktmanagement gelernt.

 

Verhaltensontogenese Hund

Trumler’sche Phasenmodel

Für die verschiedenen Entwicklungszeiten gibt es derzeit zwei Einteilungen. Das Trumler’sche Phasenmodel und 2 Phasenmodell nach Feddersen-Petersen. Das Trumler’sche Phasenmodel unterscheidet sich vom 2 Phasenmodell (nach Feddersen-Petersen ) dadurch, dass die 1. sensible Phase nochmals differenziert wird. Das erzieherische Einwirken des Hundehalters in den einzelnen Entwicklungsphasen seines Hundes ist von großer Bedeutung. Heute ist bekannt, dass die ersten 6 Lebensmonate des Hundes eine ausgesprochen sensible Zeit ist. Es sind „latente Monate“, d.h. traumatische Erlebnisse schädigen den Hund. Dessen Auswirkungen sind jedoch erst ab dem 7. oder 8. Lebensmonaten sichtbar. 

 
Verhaltensontogenese Hund

2 Phasenmodell nach Feddersen-Petersen

So kann ein Hund, der durch seine genetische Veranlagung zur Ängstlichkeit neigt, mit adäquate Erziehung und einer angemessenen Auseinandersetzung mit seiner Umwelt, im erwachsenen Alter durchaus eine sehr gute Umweltsicherheit besitzen. Und jener Hund, der trotz guter genetische Veranlagung, aber mangelnder oder keiner Erziehung, kann eine schlechte Sozialisation aufweisen. 

Damit in einer Hundefamilie nicht alle Welpen mit gleichen Fähigkeiten ausgestattet sind, kommt innerhalb eines Wurfes jeder Welpe mit ganz eigenen Veranlagungen zur Welt. Bereits bei der Geburt der Welpen steht fest, welcher Welpe souverän und welcher exzellente Jagdstrategien haben wird. Man geht davon aus, dass z.B. rüdenhafte Hündinnen hormonell im Mutterleib beeinflusst werden, wenn sie dort zwischen zwei Rüden ihren Platz hatten. Rüden hingegen können kompromissbereiter sein, wenn sie im Mutterleib zwischen Hündinnen ihren Platz hatten.